Tödlicher Unfall – Warum Sicherheitsschulungen wichtig sind

Pressemitteilung aus STIMME.de Heilbronn:

Link: http://www.stimme.de/heilbronn/hn/Toedlicher-Arbeitsunfall-Firmenvorstand-und-Sicherheitschef-verurteilt;art31502,3746192

Artikel vom 21. November 2016:

Tödlicher Arbeitsunfall: Firmenvorstand und Sicherheitschef verurteilt

Im Prozess um fahrlässige Tötung nach einem Arbeitsunfall mit einem Gabelstapler in einer Ilsfelder Firma hat das Heilbronner Amtsgericht am Montag drei Firmenangehörige verurteilt.

Sowohl beim ausführenden Gabelstaplerfahrer als auch beim Sicherheitsbeauftragten und dem zuständigen Vorstand sah Richterin Isabel Bohl eine strafrechtliche Verantwortung.

Weil der Gabelstaplerfahrer einen Mitarbeiter in einem neuen Arbeitskorb auf einer Palette ohne das Verschließen von Sicherungsbügeln in rund 3,5 Meter Höhe hievte, um dort eine verrutschte Palette gerade zu rücken. Und weil weder der Vorstand noch der Sicherheitsbeauftragte dafür Sorge getragen hätten, dass die Mitarbeiter die gesetzlich vorgeschriebenen jährlichen Sicherheitsanweisungen erhalten oder durch klare Anweisungen zum Bedienen von Fahrzeugen und Maschinen auf Gefahren hingewiesen werden.

Richterin: Verletzung der Sorgfaltspflichten

Eine fahrlässige Tötung durch Unterlassen sah die Richterin beim Vorstand und dem Sicherheitschef. Sinn und Zweck der Vorschriften sei es ja, „ein Gefahrenbewusstsein zu schaffen“, sagte die Richterin. Für sie war nach der Vernehmung weiterer Mitarbeiter eindeutig, dass diese Schulungen vor dem tödlichen Unfall nur sehr selten, keinesfalls jährlich stattgefunden haben. Vorstand und Sicherheitsbeauftragter hätten ihre Sorgfaltspflichten verletzt.

Bemerkenswert: Der Gabelstaplerfahrer hatte die Verantwortung auf sich genommen und offen eingeräumt, dass er den Kollegen im Saatgutlager gegen die Vorschriften ohne Sicherung nach oben befördert hatte. Der Kollege habe in der Situation helfen wollen, habe zunächst ein Emporfahren nur auf den Staplerzinken vorgeschlagen. Das habe er als zu gefährlich abgelehnt, dann die Palette mit dem neuen Arbeitskorb genommen. Problem war: Er fuhr mit den Gabeln in die Palette, nicht in speziell gegen ein Abrutschen verschließbare Laschen am Arbeitskorb. Als der Arbeiter sich in luftiger Höhe bewegte, rutsche der Arbeitskorb seitlich von der Palette. Der 31 Jahre alte Mitarbeiter stürzte in die Tiefe und zog sich tödliche Kopfverletzungen zu.

Anwälte fordern Freispruch

Freispruch hatten die Anwälte des Vorstands und des Sicherheitsbeauftragten für ihre Mandanten gefordert. Weil sie den Fall als ein „Augenblicksversagen“ des Staplerfahrers ansahen, der trotz langer Erfahrung gegen Sicherheitsvorschriften verstoßen habe. Dafür könne ein Vorstand nicht verantwortlich gemacht werden, sagte Anwalt Christoph Wingerter und nannte die Vorwürfe „an den Haaren herbeigezogen“. Das sahen die Richterin und der Oberamtsanwalt Günter Weber anders. Weber kritisierte, dass die Firma mit Blick auf das Umsetzen von Sicherheitsbestimmungen ein „Schlamperbetrieb“ sei. Und wenn man als Vorgesetzter keine Verantwortung übernehme, „darf ich mich nicht wundern, wenn so ein Unfall passiert“.

Zu Geldstrafen von 1800 Euro (Staplerfahrer), 4000 Euro (Sicherheitsbeauftragter) und 20.000 Euro (Vorstand) verurteilte die Richterin die drei Angeklagten – immer in Abhängigkeit vom jeweiligen Verdienst. Verteidiger Christoph Wingerter kündigte an, dass er seinem Mandanten raten werde, das Urteil anzufechten.


Anmerkung von Patrick Hoeveler: Dieser Artikel macht deutlich, wie wichtig das Thema der kontinuierlichen Sicherheitsschulung ist und das man seine Mitarbeiter jährlich schulen sollte, um sie für das Thema Sicherheit im Arbeitsumfeld zu senibilisieren.

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